Die Trachten der Volksgruppen sind mehr als nur Stoff. Sie spiegeln den Lauf der Geschichte, die Seele und eine Lebensphilosophie wider. Die Trachten ethnischer Minderheiten verkörpern kulturelle Erinnerungen und erzählen von der Geschichte, den ästhetischen Werten und den Glaubensvorstellungen einer Volksgruppe sowie von der harmonischen Beziehung zwischen Mensch und Natur. Jedes Outfit dient als ein Werk der Volkskunst, das von den geschickten Händen von Frauen aus ethnischen Minderheiten in monate- oder gar jahrelanger, mühevoller Arbeit gefertigt wurde. Die Trachten ethnischer Minderheiten besitzen zudem eine spirituelle Bedeutung, die mit Ritualen im Lebenszyklus wie Hochzeiten, Beerdigungen und religiösen Zeremonien verknüpft ist. Sie sind der Stolz der Gemeinschaft und ein Erbe, das bewahrt und geachtet werden muss.

„ Ich trage eine traditionelle Tracht der Volksgruppe der Mong. Ich bin stolz und glücklich, in dieser traditionellen Kleidung inmitten der Menschenmenge zu gehen. Nicht nur die Angehörigen der Mong tragen Trachten ihrer Volksgruppe. Auch viele Menschen anderer Volksgruppen tun dies. Darüber freue ich mich sehr.“

Die Trachten ethnischer Minderheiten werden durch Kulturprogramme, Tourismusinitiativen und angewandtes Modedesign auf kreative Weise in das zeitgenössische Leben überführt. Auf künstlerischen Bühnen und bei internationalen Austauschveranstaltungen haben viele vietnamesische Designer traditionellen Brokat in die Haute Couture integriert und so dazu beigetragen, der Welt die Trachten ethnischer Minderheiten zu präsentieren. Die lokalen Textil- und Bekleidungsgenossenschaften haben Arbeitsplätze geschaffen und helfen damit den Angehörigen ethnischer Minderheiten, durch genau ihre Trachten der Armut zu entkommen.

„ Ich bin sehr stolz auf die Trachten meiner Volksgruppe, da sie die einzigartige Schönheit und die unverwechselbare Kultur meiner Volksgruppe verkörpert. Diese Schönheit kommt in den Mustern der Tracht zum Ausdruck. Ich habe auch das Gefühl, dass ich besser aussehe, wenn ich diese Outfits trage.“

Auf Märkten in der bergigen Region, bei traditionellen Festen oder an Orten des gemeinschaftsbasierten Tourismus sind oft Bilder der Besucher zu sehen, die sich voller Begeisterung die farbenprächtige Trachten der Mong, die indigo-gefärbten Gewänder der Tay oder die Kopftücher der Dao tragen, um sich darin fotografieren zu lassen. In den sozialen Netzwerken sind Trachten ethnischer Minderheiten zudem zunehmend als Symbole für Schönheit und Identität präsent. Kulturforscherin Chu Thu Hang sagt:

„Wir sollen eine Datenbank mit Standardmustern und -designs der 54 Volksgruppen als Vergleichsgrundlage aufbauen. Nur auf diese Weise kann die traditionellen Trachten ethnischer Gruppen ihre authentischen Elemente bewahren und weiterhin im modernen Leben präsent bleiben. Zudem soll an jedem Leihkostüm ein QR-Code angebracht werden, damit Besucher diesen scannen und erfahren können, welcher ethnischen Volksgruppe das Kostüm zugehört, welche Bedeutung die Muster haben und zu welchen Anlässen es getragen wird.“

Der 14. Parteitag hat ein neues Kapitel für die Kultur des Volkes aufgeschlagen. Die Trachten ethnischer Minderheiten werden nicht nur in Museen bewahrt, sondern sind auch Teil der Kulturwirtschaft geworden. Die Trachten erwachen erst dann wirklich zum Leben, wenn sie im Alltag der Gemeinschaft präsent ist.