Das friedliche Dorf der Tay mit alten Holzhäusern und Gärten, in denen Ramie angebaut wird, liegt am sanften Gam-Fluss. Wenn die Ramie-Blätter voll ausgereift sind, ernten und trocknen die Frauen der Tay sie, um sie als Hauptzutat für die Zubereitung von Ramie-Reiskuchen zu verwenden. Sie steigen außerdem auf den Berg hinauf, um wilde Bananenblätter zu sammeln. Diese langen, leicht duftenden Blätter werden gründlich gewaschen, gekocht und getrocknet, um die Kuchen darin einzuwickeln. Tran Thi Ha, die sich seit mehr als 20 Jahren mit der Herstellung von Ramie-Reiskuchen beschäftigt, erzählt:
„Für die Zubereitung köstlicher Kuchen dürfen die verwendeten Ramie-Blätter weder zu alt noch zu jung sein. Die fertigen Küchlein weisen einen leicht grünlichen Schimmer auf. Durch das Dämpfen erhalten sie einen Glanz und haben ein angenehmes Aroma. Bei den Blättern, die zum Einwickeln der Küchlein verwendet werden, muss es sich um wilde Bananenblätter handeln. Beim Dämpfen färben sie sich weiß.“
Die Zubereitung eines weichen, duftenden Ramie-Reiskuchens ist ein aufwendiger Prozess. Man muss die Ramie-Blätter vier bis fünf Stunden lang köcheln lassen, bis sie vollkommen weich sind. Anschließend lässt man sie über Nacht ziehen, bis diese ein sattes, glänzendes Schwarz annehmen. Anschließend werden die Blätter gewaschen, trockengepresst und gemahlen. Im nächsten Schritt rührt man die fein gemahlenen Blätter mit Zucker etwa zwei Stunden lang auf dem Herd, bis die Blätter ihr Aroma freisetzen.
Die Raffinesse von Ramie-Reiskuchen liegt auch in seiner Füllung. Neben Mungobohnen, Kokosraspeln und einer Prise mild-süßer kandierter Früchte enthält der Ramie-Reiskuchen aus Chiem Hoa ein einzigartiges Geheimzutat: mariniertes Schweinefett. Das Schweinefett wird in kleine Würfel geschnitten und drei Tage lang in Zucker mariniert, um den fettigen Geschmack zu mindern und eine knusprige Textur zu erzielen. Nguyen Thi Thanh Hoa, eine Bewohnerin in Chiem Hoa, sagt:
„Für die Herstellung der Kuchen wird das Fett vom schwarzen Dorfschwein ausgewählt. Das Fett wird in Scheiben geschnitten, gar gekocht und anschließend abgetropft. Danach wird das Fett etwa zwei Stunden lang in Zucker eingelegt und anschließend in der Sonne getrocknet. Nach etwa einem Tag wird das Fettstück glasig und der Zucker kristallisiert, so dass es an kandierte Früchte erinnert. Der Ramie-Reiskuchen mit einem Fettkern schmeckt besser.“
Die Bewohner von Chiem Hoa haben eine ziemlich charakteristische Art, Ramie-Reiskuchen zu verpacken: Sie wickeln sie paarweise ein. Die beiden Kuchen sind im dasselben Bananenblatt eingewickelt. Dazu Mai Thi Loan, eine Frau der Tay in Chiem Hoa:
„Wir stellen schon lange das Kuchenpaar her, da die wilden Bananenblätter recht lang sind. Sie werden paarweise verkauft, nicht einzeln. Wenn der Kunde es wünscht, können wir die Kuchen natürlich auch einzeln machen. Aber das Kuchenpaar hat schon lange Tradition.“
Früher stellten die Tay in Chiem Hoa Ramie-Reiskuchen ausschließlich als Opfergaben für ihre Vorfahren her. Heutzutage hat sich die Kuchenherstellung zu einem Beruf entwickelt, der eng mit vielen Familien verbunden ist. Damit hat sich das Leben vieler Familien verbessert. Die Familie des Ehepaars Nguyen Van Thang und Tran Thi Ha ist ein Beispiel dafür. Dank der Fortsetzung des Handwerks seiner Vorfahren konnte das Paar ein geräumiges, dreistöckiges Haus bauen und seinen Kindern eine gute Ausbildung ermöglichen. Ha berichtet:
„Die Herstellung von Ramie-Reiskuchen ist aufgrund der vielen Arbeitsschritte mühsam. An manchen Tagen müssen wir bereits um 01:00 Uhr morgens aufstehen, um die Küchlein zuzubereiten. Aber dieser Beruf hilft meiner Familie auch dabei, ein besseres Leben zu führen.“
Durch den weitverbreiteten Verkauf von Ramie-Reiskuchen haben die Tay nicht nur die traditionellen Geheimnisse ihrer Vorfahren bewahrt, sondern sich auch ein wohlhabendes Leben aufgebaut. Das Aroma dieses einfachen Kuchens weckt Erinnerungen an eine friedliche, gastfreundliche Gegend am Gam-Fluss.







