Beim Rennen um die Nachfolge von UN-Generalsekretär Antonio Guterres haben keine Kandidatinnen und Kandidaten bislang einen Durchbruch erzielt. Jedoch hat die jüngste 81. UN-Generalversammlung eine deutliche Auswahl hinsichtlich des Geschlechts und der Geografie gefestigt.
Zwei große Tendenzen
Im Vorfeld der hochrangigen Woche der 81. UN-Generalversammlung fand im UN-Sicherheitsrat die dritte Probeabstimmung zur neuen UN-Spitze statt. Dabei galt die ehemalige Vizepräsidentin von Costa Rica, Rebeca Grynspan, mit 9 Fürstimmen, 5 Neinstimmen und 1 Enthaltung als Favoritin, gefolgt von Carolyn Rodrigues Birkett, Botschafterin Guyanas bei der UNO. Gleich nach dem Votum zog Chiles frühere Präsidentin Michelle Bachelet ihre Kandidatur für das Amt der UN-Generalsekretärin zurück.
Obwohl es in den restlichen Monaten mögliche neue Kandidaten geben könnte, zeigen die derzeitigen Geschehnisse zwei wichtige Faktoren des diesjährigen Rennens und zwar Geschlecht und geografische Rotation. Seit ihrer Gründung im Jahr 1945 wurde die UNO noch nie von einer Frau geführt. Zudem sind Beobachter der Meinung, dass nach dem Prinzip der regionalen Rotation nun die Region Lateinamerika und Karibik an der Reihe ist, diese Position zu übernehmen. In seiner Rede vor der 81. UN-Generalversammlung in der vergangenen Woche sprach sich der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez öffentlich für diese beiden Tendenzen aus.
„In den vergangenen 80 Jahren haben neun Männer den Posten des UN-Generalsekretärs übernommen. Jetzt geht es um eine lateinamerikanische Frau. Wie kommt es, dass eine Organisation, die die gesamte Menschheit vertritt, niemals von einer Frau geleitet wird? Wie können wir die ganzen Kontinente vertreten, wenn wir seit drei Jahrzehnten noch nie der drittbevölkerungsreichsten Region diesen Platz gegeben haben?“
Auch die Präsidentin der 80. UN-Generalversammlung Annalena Baerbock ist der Meinung, dass die Entscheidung über die Position des neuen UN-Generalsekretärs eine wichtige Botschaft darüber sende, ob die UNO tatsächlich zur Erneuerung entschlossen seien:
„Die Entscheidung der UNO über den zehnten Generalsekretär wird eine Botschaft senden, ob diese Organisation wirklich die Menschen vertritt, denen sie dienen soll. Und wie Sie wissen, dass die Hälfte davon Frauen und Mädchen sind. Wer diese Organisation leitet, ist nicht nur für die Menschen in diesem Gebäude wichtig, sondern für Milliarden von Menschen weltweit.“
Entscheidende Stimme der fünf ständigen Mitglieder des Gremiums
Eine große Frage bei der Wahl des neuen UN-Generalsekretärs liegt darin, dass nicht jeder von der Mehrheit unterstützte Kandidat derjenige ist, der letztendlich ausgewählt wird. Der Schlüssel liegt in den Stimmen der fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates, die aus den USA, Großbritannien, Frankreich, Russland, China mit ihrem Veto-Recht besteht. Jedes Veto eines dieser fünf Mitglieder bedeutet, dass der betroffene Kandidat abgelehnt wird. Erst wenn der Sicherheitsrat einen Konsens erzielt, kann dieses mächtige Organ der Generalversammlung einen Kandidaten zur Wahl nominieren.
Laut Beobachtern ist es für die Großmächte unmöglich, einen Kandidaten zu unterstützen, der im Widerspruch zu ihren strategischen Interessen steht. Daher könnten Kandidaten mit moderaten Positionen, geringem politischen Risiko oder einem technokratischen Profil Vorteile haben. Dies gilt vor allem im Zusammenhang damit, dass die UNO reformiert werden muss, um ihre Kompetenz beim Zugang zu neuen Technologien zu stärken.
Wer ab dem 1. Januar 2027 die Nachfolge von Antonio Guterres antritt, wird schwere Aufgaben umsetzen müssen. Der neue UN-Generalsekretär wird die Kompetenz der UNO zur Gestaltung von Frieden stärken, den rasanten Aufstieg der künstlichen Intelligenz verwalten und die globale Reaktion auf zunehmend komplizierte Krisen vor dem Hintergrund schrumpfender Budgets leiten.







