Mit mehr als 1.500 Plätzen bietet das Hoa-Phuong-Theater Raum für große Orchester- und Kulturveranstaltungen. Auch Konzerte im Stadttheater, in Fußgängerzonen, auf Freiluftbühnen und an öffentlichen Kunstorten bereichern das Kulturleben. Damit kommt Haiphong seinem Ziel einer „Musikstadt“ näher und will Musik zu einem Bestandteil der Kulturindustrie machen. Frau Oberst und Künstlerin des Volkes Ha Thuy, ehemalige Leiterin der Gesangsabteilung der Hochschule für Kultur und Kunst der Armee, sagt:
„Hai Phong hat viele talentierte und bekannte Musiker hervorgebracht. Die Menschen hier sind sehr leidenschaftlich und engagiert für die Musik. Auch bei Liveshows ist das Publikum sehr enthusiastisch. Hai Phong erfüllt daher viele Voraussetzungen, um ein Musikzentrum zu werden.“
Die Stadt arbeitet derzeit am Projekt „Aufbau Hai Phongs zur Musikstadt 2026-2030 mit Perspektive bis 2045“. Entstehen soll ein musikalisches Ökosystem, das Bildung, Kreativität, Kulturwirtschaft und das gesellschaftliche Leben verbindet. Laut dem Abgeordneten und Kulturwissenschaftler Bui Hoai Son geht es bei einer „Musikstadt“ nicht nur um einen Titel oder eine Marke, sondern um eine Entwicklung auf Grundlage der kulturellen und kreativen Ressourcen Hai Phongs.
„Mit der Entwicklung zur Musikstadt entsteht ein musikalisches Ökosystem für Hai Phong und zugleich ein Beitrag zu einem solchen Ökosystem im ganzen Land. Dafür brauchen wir geeignete politische und institutionelle Rahmenbedingungen, qualifizierte Fachkräfte und eine entsprechende Infrastruktur.“
Die Stärke einer „Musikstadt“ zeigt sich jedoch nicht nur in großen Konzerten und Festivals. Musik muss regelmäßig im Alltag präsent sein – etwa auf kleinen Bühnen in Fußgängerzonen, auf Plätzen, in Schulen, Industriegebieten und an touristischen Orten. Dort können Menschen nicht nur Musik erleben, sondern auch selbst kreativ werden. Der Künstler Hoang Nguyen, ehemaliger Vizeleiter des Kulturensembles der vietnamesischen Marine, fordert deshalb eine stärkere Verbindung dieser Ressourcen mit touristischen Angeboten.
„Was können Touristen in einer Musikstadt erleben und wo? Das muss bekannt gemacht und beworben werden, damit ihre Reise entsprechend planen können. Wenn Haiphong eine Musikstadt werden will, müssen Tourismus und Musik miteinander verbunden werden.“
Musik soll damit stärker Teil des Alltags und zugleich des Tourismus werden und so zur städtischen Wirtschaft beitragen. Der Künstler des Volkes Tran Nhuong zufolge braucht Hai Phong dafür Investitionen in Infrastruktur, kreative Räume, Nachwuchsförderung und eigene Veranstaltungen. Zugleich sollten Unternehmen stärker an Produktion und Organisation von Events sowie an der Entwicklung von Musikprodukten beteiligt werden.
„Wir treten in eine Zeit ein, in der die Stärke einer Stadt nicht mehr nur in Stahl, Beton und Containern liegt. Neue Stärke entsteht durch Kreativindustrie, Kulturökonomie und Identität. Musik ist eine Milliardenindustrie. Sie schafft Arbeitsplätze, belebt den Nacht-Tourismus und fördert die Kreativität junger Menschen. Mit gezielten Investitionen kann Hai Phong ein eigenes Ökosystem der Musikwirtschaft aufbauen.“
Zudem will Hai Phong traditionelle Musikformen wie Chau-Van-Gesang, Ca-Tru-Gesang, Festtrommeln und Tempel-Gesang stärker fördern und digitalisieren. Gleichzeitig sollen ein kreatives und musikalisches Ökosystem aufgebaut, internationale Kooperationen gefördert und eine globale Marke entwickelt werden.
Aus ihrer reichen musikalischen Tradition will Hai Phong damit neue kulturelle und kreative Entwicklungsressourcen schaffen. Die „Musikstadt“ ist nicht nur ein kulturelles Ziel, sondern soll auch neue Perspektiven für die Kulturwirtschaft der Stadt eröffnen.







