Am Mittwoch hat das Pentagon mitgeteilt, dass das US-Militär vollständig aus dem Irak abgezogen ist. Damit endet eine Zeit der mehr als zwei Jahrzehnte andauernden direkten US-Militäreinsätze in diesem Land.
Abschluss der Ära des Schlamassels
Im September 2024 haben der Irak und die USA einen Truppenabzugsplan zur Beendigung der internationalen Mission eingeleitet. Die erste Phase endete im September 2025 mit dem Abzug der Koalitionstruppen aus Bagdad und dem Luftwaffenstützpunkt Ain al-Asad. Währenddessen verblieb ein Kontingent in der nordirakischen Kurdistan-Region, bevor es Ende September dieses Jahres vollständig abgezogen wurde.
Dies ist für Washington und Bagdad ein historisches Ereignis. Es markiert das Ende einer turbulenten Ära, die 2003 mit der US-Militärpräsenz im Irak begann. In seiner Rede am 30. September bekräftigte US-Präsident Donald Trump, dass der vollständige Truppenabzug das Ende einer Phase des Schlamassels verbunden mit dem bisher größten Krieg der USA im 21. Jahrhundert darstelle:
„Es ist schon lange her, dass wir uns an diesem Schlamassel beteiligt haben. Es hat viele Jahre gedauert. Aber bald wird dieser Teil der Geschichte vorbei sein. Wir werden unsere Truppen abziehen. Dieser Tag ist ein Sieg für die Vereinigten Staaten. Es ist ein Sieg für den Irak und ein entscheidender Sieg über den Islamischen Staat IS, der vollständig zerschlagen wurde. Und genau das war der Grund, warum wir dort überhaupt eingegriffen haben.“
Auch die irakische Regierung und die Bewohner haben den Abzug der Koalitionstruppen mit Freude und Begeisterung gefeiert. Am Mittwoch gingen in den Großstädten tausende Iraker auf die Straße, während die irakische Regierung einen viertägigen nationalen Feiertag namens „Tag der Souveränität“ verkündete. Zuvor hatte der irakische Premierminister Ali Al-Zaidi in seiner Rede vor der 81. UN-Generalversammlung in New York betont:
„Am Ende der Mission der internationalen Koalition im Irak leiten wir die Beziehungen zu unseren strategischen Partnern in eine neue Phase ein: von der Militärkooperation zur Wirtschafts- und Entwicklungszusammenarbeit, die den gemeinsamen Interessen dienen sollten. Dadurch werden wir den irakischen Sieg über den Terrorismus stärken, um den Ausbau der Sicherheit- und Militärkompetenz bei der Verteidigung von Territorium, Bevölkerung und nationaler Souveränität voranzutreiben.“
Sicherheitsvakuum
Die derzeit größte Frage ist, ob das von der US-geführten Koalition hinterlassene Vakuum zu einer neuen Sicherheitsherausforderung für den Irak wird. Dies gilt besonders zu einem Zeitpunkt, in dem pro-iranische Milizen im Irak den US-Rückzug als „Sieg“ betrachten und der Konflikt zwischen den USA und dem Iran jederzeit wieder zu eskalieren droht.
In den vergangenen Jahren haben die USA Druck auf den Irak ausgeübt, die Übergangsphase zu nutzen, um die Milizen zu entwaffnen und diese Kräfte unter das Kommando der Regierung zu stellen. Jedoch hat Premierminister Ali al-Zaidi vor kurzem wegen der Sorge vor inneren Unruhen durch schiitische Fraktionen die Umsetzung des Entwaffnungsplans verzögert. Sajad Jiyad, hochrangiger Forscher am Center for International Policy (CIP) mit Sitz in New York, ist der Meinung:
„Ich möchte betonen, dass keine Gruppen am 30. September entwaffnet wurden. Das ist wahrscheinlich klar für jeden, der die irakische Politik täglich verfolgt. Die Regierung hat die Zusammenlegung erwähnt und einige dieser Gruppen aufgefordert, sich besser in die Institution der Volksmobilisierungskräfte (PMF) zu integrieren. Ich bin der Meinung, dass sie alles bezüglich der Entwaffnung abgelehnt haben. Ich glaube nicht, dass es dazu kommen wird – weder am 30. September noch zu irgendeinem späteren Zeitpunkt.“
Die nächste Sorge für den Irak bleibt das Gespenst des Terrorismus. Obwohl die Operation „Inherent Resolve“ die von IS besetzten Gebiete erfolgreich zerschlagen hat, befürchten Sicherheitsexperten, dass das von der Koalition hinterlassene Sicherheitsvakuum den Wiederaufstieg anderer dschihadistischer Elemente wecken könnte. Vertretern der irakischen Kurdenregion haben besonders Sorge um dieses Risiko. Ihnen zufolge ist die militärische und innenpolitische Lage im Irak noch nicht stabil genug für einen vollständigen Abzug der Koalition. Auf lange Sicht bleibt die Souveränitäts-Governance noch eine große Herausforderung für Bagdad.







